In Römer 8 beschreibt Paulus den Kontrast zwischen einem Leben "im Fleisch" und "im Geist". Damit ist keinesfalls eine Abwertung alles Menschlichen oder des Körpers gemeint, auch wenn der Begriff "Fleisch" das hergeben würde. Hier geht es vielmehr um die egoistische Seite, Lebensfeindlichkeit und die Schwäche von uns Menschen. Sie ist durch Christus überwunden und in ihm gibt es nun keine Verdammnis mehr. Das Leben "im Geist" hilft uns uns nicht vom Ego-Selbst und Funktionier-Modus bannen und hypnotisieren zu lassen. Stattdessen dürfen wir lernen Ausschau zu halten nach Gottes Zukunft im Jetzt und zu Atmen, statt nur zu funktionieren und zu vergessen, dass Gott eine Neuschöpfung im Sinn hat. 

In der Predigt wurde der systematische Theologe Klaas Huizing erwähnt. Er plädiert für ein leibfreundliches und lebensfrohes Verständnis des "Lebens im Geist" und für ein Christentum als Festreligion, ein „Weihnachtschristentum“. Darin stehen nicht Sünde und Tod im Mittelpunkt, sondern die Geburt und mit ihr die in die Welt gekommene neue Freiheit.  Er spricht von einer "Schöpfung mit Hüftschwung", wenn er die Frau Weisheit als Begleiterin des Schöpfers beschreibt (Spr 8,22-31). 

Ein zentraler Punkt seiner Argumentation ist die Idee, dass Religion uns eine stärkere Selbstdistanzierung ermöglicht. Dies geschieht durch das Verständnis, dass wir von einem liebenden Gott getragen werden (Römer 8,38-39). Es entlastet uns von dem Druck, immer an der Spitze der gesellschaftlichen Leiter stehen zu müssen. 

Ehre, Status und Dominanz waren zur Zeit des Paulus in Rom genauso Versuchungen wie in unserer kompetitiven digital verstärkten Kultur. Sie führten auch zu Einschüchterung der jungen Jesus-Leute-Bewegung. Diese Perspektive kann uns helfen, dem Streben nach Anerkennung in der Gesellschaft gelassener gegenüberzutreten. Paulus untermauert die Würde der Jesus-Leute mit dem Begriff "Sohnschaft" und der damit verbundenen Berechtigung des Erbes - der Mitwirkung bei der Erneuerung der Welt.

Es geht um eine Verwandlung von Angst, Kontrolle und Machtspielchen hin zu Freiheit als rechtmäßiger Erbe. Nicht nur für uns selbst und andere, sondern für die ganze Gesellschaft.

Wir dürfen endlich durchatmen statt nur zu funktionieren. Und andere sollen auch atmen dürfen statt nur zu funktionieren. So bahnt sich Gottes Zukunft ihren Weg in unser Hier und Jetzt.

 

Hier ein Link zu einem Interview mit Klaas Huizing mit dem Deutschlandfunk:

https://www.deutschlandfunk.de/fastenzeit-tugendcoaching-statt-askese-1…